Elektromagnetische Wellen sind letztlich Kern der Unterhaltungs- und Informationsgeschichte, die seit 1923 als so genannter Rundfunk in Deutschland ihren Lauf nahm. Begrifflich ist Hans Bredow der Taufpate und zentrale Pionierfigur des Hörfunks, der von nun an für beschwingende Momente und spannende Stunden in den Wohnzimmern der Weimarer Republik sorgte. Zunächst „rockte“ nur eine Stunde Musik am Tag die heimischen Gefilde, doch bis 1929 diversifizierte sich das Angebot vom Rundfunk bereits erheblich und weitete sich der zeitliche Umfang der Übertragungen bereits aus. Schon 1924 zählte die damals zuständige Post 500000 Teilnehmer für den Rundfunk. Zum Programmangebot gehörten innerhalb kürzester Zeit viele Formate, die das Radio bis heute im Repertoire hat: Musik, Konzerte und Theater sorgten für unterhaltsame Stunden. Hörspiele und Sportübertragungen wurden mit Spannung verfolgt. Spezielle Angebote für Kinder, Frauen und Jugend verbreiteten Bildung über den Rundfunk.
Der Beginn einer neuen Ära
Den ersten Einschnitt in der deutschen Geschichte erfuhr der Rundfunk 1932. Die zunächst politisch kaum überwachte und teils private Übertragung von Sendeinhalten wurde nun staatlich kontrolliert und private Sender wurden in öffentliche beziehungsweise staatliche Einrichtungen umgewandelt. Schließlich wurde der Rundfunk dem Propagandaministerium unterstellt und – wie geschichtlich Interessierten bekannt ist – umfangreich als Machtinstrument vom nationalsozialistischen Regimes genutzt. Rundfunk bedeutet im allgemeinen Verständnis nicht nur Hörfunk, sondern auch Fernsehen. Dies gesellte sich während der NS-Zeit zum Radio dazu. 1936 wurden rund 8 Stunden Fernsehprogramm vom Rundfunk angeboten. Allerdings waren Empfangsgeräte für das Fernsehen noch sehr rar, so dass die Bevölkerung die Sendungen gespannt in so genannten Fernsehstuben gemeinschaftlich verfolgte.
Faszination und Unterhaltung
Nach dem Einzug der Alliierten strukturierte sich der deutsche Rundfunk neu. Wegen dem Missbrauch als Propagandainstrument war es den Besatzungsmächten und der neuen politischen Aktiven ein zentrales Anliegen, die Unabhängigkeit des Hörfunks und Fernsehens zu garantieren. So wurde der weltweit nahezu einmalige öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland begründet. War einst die Faszination für die Unterhaltung überwiegend, später die Propaganda zentral, so standen beim Rundfunk nun Demokratie und Meinungsfreiheit im Mittelpunkt. 1950 wurde die ARD, also die Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland, geboren. 1961 wird die Vielfalt des Fernsehvergnügens durch das ZDF erweitert. 1964 bereichern die Landesrundfunkanstalten neben dem Hörfunk auch die Fernsehlandschaft mit den Dritten Programmen wie vom Westdeutschen Rundfunk, Bayerischen Rundfunk oder Norddeutschen Rundfunk. Welche Bedeutung dem Rundfunk im alltäglichen Leben der Bundesbürger von Beginn an beigemessen wurde, ist alleine dem Design der Empfangsgeräte und den ihnen zugehörigen liebevollen Spitznamen oder Typbezeichnungen zu entnehmen. So passten sich Rotkäppchen, die pfeifende Johanna, der Herr im Frack oder das Mäuseklavier für den familiären Hörgenuss stilvoll ins Ambiente ein und lockte der Rembrand Groß und Klein gemeinschaftlich vor die Flimmerkiste. TV-Highlights fesselten weite Teile der Bevölkerung vor die Bildschirme, waren Gesprächsthema und stellten verbindende Erlebnisse dar. Von einer Einschaltquote wie bei den damaligen Straßenfegern können heutige Sendungen im Rundfunk nur träumen. So erreichte die Serie „Das Halstuch“ in den 60ern 89 Prozent der Rundfunkteilnehmer.
Privatisierung der Sender
Bereits seit 1953 stand der Einzug privater Sender in die deutsche Fernsehlandschaft zur Debatte und setzten sich Befürworter für den privaten Rundfunk ein. Doch erst 1981 ebnete ein Verfassungsurteil den Weg für das duale System. Nach dem Start von RTL im Jahr 1984 weitete sich das Programmspektrum stark aus und bietet den aktuell rund 10 Millionen registrierten Nutzern enorme Vielfalt und immer wieder Innovationen auf dem Fernsehbildschirm. Doch es empfiehlt sich, auch die alten Klassiker nicht zu vergessen. Ein hochklassiges Hörspiel im Radio gehört immer noch zu den Juwelen der Ereignisse im Rundfunk.
Foto p!xel 66 Fotolia